13. Sonntag im Jahreskreis
„So begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.“ (Röm 6,11)
Liebe Leserinnen und Leser, die Bibeltexte des heutigen Sonntags erinnern mich an die Exerzitien vor meiner Priesterweihe vor 15 Jahren; dort hatte eine Ordensschwester zwar eine andere Textstelle für mich vorgeschlagen, die aber eine ähnliche Absicht zeigt: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ Diese mögliche Lebensweise gilt doch für uns alle, für alle Getauften, für alle, die zu Christus gehören. Sowohl Paulus im Römerbrief als auch Jesus im Evangelium betonen die Ausrichtung und die Prioritäten, auch wenn uns das im ersten Moment überfordert oder vielleicht sogar verstört.
Eventuell kann es helfen, wenn wir uns damit befassen, was es bedeutet in Christus zu leben und sich an ihm auszurichten. Viele von uns würden sagen: In Christus leben bedeutet, an Christus zu glauben, zu beten, Gottesdienst zu feiern, die Bibel zu lesen. Das alles gehört bestimmt dazu und beschreibt auch unser religiöses Leben. Aber Paulus und Jesus wollen noch tiefer gehen. Sie sprechen beide von einer Lebensgemeinschaft, die unser ganzes Leben prägen kann.
Wer in Christus lebt, erhält für das Denken, Lieben, Hoffen und Handeln ein Zentrum, Jesus Christus selbst. Er ist die Mitte unseres Lebens bzw. möchte dies bei uns werden. Mit den Aussagen und Prioritäten im Evangelium, will er uns nicht trennen von diesen Beziehungen oder Haltungen, sondern er möchte uns die Mitte des Lebens zeigen. In Christus leben heißt: Christus steht im Zentrum.
Viele Dinge in unserem Leben beanspruchen den ersten Platz: Familie, Beruf, Besitz, Anerkennung oder persönliche Wünsche. All das hat seinen Wert. Wer Christus an die erste Stelle setzt, verliert die anderen Dinge nicht. Alles wird allerdings in eine besondere Betrachtung geführt. Die Familie als Geschenk Gottes, der Beruf vielleicht als Berufung, der Erfolg nicht unbedingt als wichtigster Maßstab.
In Christus leben heißt: Von ihm her leben und alles andere von ihm her verstehen. Ihm vertrauen und die wahre Bedeutung im Leben finden, das ist sicherlich ein Ziel für uns Christinnen und Christen. Auf seinem Weg gehen, ihm nachfolgen mit allen Konsequenzen, die das haben kann. Dieser Weg ist nicht immer bequem und dennoch traut er uns das zu. Wir dürfen ihn in jedem Gottesdienst, im Lesen der Bibel und in vielen Begegnungen immer mehr kennenlernen und ihn immer mehr zu unserem Mittelpunkt machen.
Wenn es uns dabei gelingt, die Liebe, mit der Christus uns liebt, an unsere Mitmenschen weiterzugeben, wird es ein guter Weg. Oft sind es dann nicht unbedingt die großen Taten, sondern häufig die kleinen Gesten: Ein freundliches Wort, ein offenes Ohr, eine helfende Hand oder ein Becher Wasser. Wer so handelt, lebt aus Christus und macht Christus in der Welt sichtbar.
„Herr Jesus Christus, lass mich in dir bleiben, damit dein Leben mein Leben werde, deine Liebe meine Liebe und deine Hoffnung meine Hoffnung. Amen.“
Ihr Pastor Christian Schulte

