22. Sonntag im Jahreskreis A

22. Sonntag im Jahreskreis A

Selten passen die drei in der Leseordnung für den Sonntag zusammengestellten Bibeltexte so gut zusammen wie diesmal.

Jeremia verzweifelt an seiner Berufung, nicht, weil er meint, er habe sich damit geirrt, sondern wegen seiner Umgebung: Hohn und Spott ist alles, was er erntet. Wenn er sich aber die Frage stellt, ob er seine Aufgabe niederlegen sollte, dann brennt es in ihm. Es niederzulegen ist unmöglich, er könnte das nicht aushalten, denn er weiß, dass er auf dem richtigen Weg ist, ganz unabhängig davon, was andere davon halten mögen. Er würde sich selbst belügen und verraten. Er würde sich selbst sogar Gewalt antun.

Bei Paulus kommt dasselbe Problem in Gestalt einer Ermahnung daher: Der Apostel weiß, dass die Versuchung existiert, es sich einfacher zu machen, sich anzugleichen und mit dem Glauben am Besten nicht weiter aufzufallen. Er weist darauf hin, dass wir das nicht können: Wir können nämlich erkennen, was Gottes Wille ist. Damit können wir auch erkennen, was unser Weg ist. Diesen Weg zu gehen, ist der wirkliche, wahre Gottesdienst. Darin liegt kein Zwang, sondern eine Chance, eine Erneuerung.

Zur Vollendung geführt werden diese Gedanken in dem Dialog zwischen Jesus und Petrus. Und es wird auf den Punkt gebracht: Wer einen anderen von seinem gottgebenen Weg abbringen will, ist ein Satan: In alttetstamentlicher, wortwörtlicher Bedeutung ist das ein Wegelagerer: Einer der mich auf meinem Weg nicht weitergehen lässt. Läßt man sich von so einem vom Weg abbringen, hat das erhebliche Konsequenzen. Hätte Petrus es zum Beispiel geschafft, Jesus aufgehalten, wäre unsere Kirche heute gar nicht existent.

Nun muss man das auf das eigene Leben anwenden: Was ist meine Erkenntnis, wo ist mein Weg und wo stecken die Wegelagerer? Zu allen Zeiten haben glaubende Menschen Widerstand erfahren, viele sogar Verfolgung, sehr viele Hohn, Spott oder Unverständnis. Und innerhalb der Kirche gibt es auch Wegelagerer in Hülle und Fülle: Das geht nicht, das machen wir nicht, das darfst Du nicht, das sollst Du nicht, das will ich nicht, das haben wir noch nie gemacht und so weiter und so fort. Ich habe sogar mal gesagt bekommen: „Unsere Vorgesetzten werden schon wissen, was gut für uns ist.“ Lauter kleine Satans, könnte man fast sagen. Die muss man umgehen, um der eigenen geistigen Gesundheit und um des eigenen Glaubens willen.

Als Petrus vor dem Hohen Rat in Jerusalem angeklagt wurde, weil er etwas Gutes getan hatte, hat er, wie die Apostelgeschichte berichtet, gesagt: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Dieser Satz setzt Maßstäbe, denn er hält den Menschen dazu an, zuerst nach Gottes Willen zu fragen und zu suchen. Das ist eine schwere Aufgabe. Zugleich hält er den Menschen dazu an, nicht den eigenen Willen an die erste Stelle zu setzen und für andere zu so einem kleinen Satan zu werden. Und schließlich hilft er dabei, die großen und kleinen Wegelagerer, die denken, dass es in erster Linie auf sie ankomme und die meinen, gerade sie wüßten alles ganz genau, zu erkennen und auf den richtigen Maßstab zu reduzieren.

Das klingt konfliktreich. Wenn es das nicht wäre, wäre der Herr auch nicht gekreuzigt worden. Aber wir wissen ja alle ganz genau, wer am Ende Recht behalten hat. Christus weist uns ausdrücklich darauf hin, dass der lohnende Weg das Kreuz beinhaltet. Wer sich für diesen Weg entscheidet, muss damit rechnen, dass es ein Kreuz zu tragen gibt, dass aber auch alles gut ausgehen wird. Und dass ich mir am Ende noch selber in die Augen sehen und sagen kann, dass ich meiner Überzeugung treu

geblieben bin. Olaf Deppe