Zum Buchsonntag – 8.11.2026
Im Gesamtbild der Propsteipfarrei weitgehend unbemerkt hat die Katholische öffentliche Bücherei St. Meinolphus und Mauritius in diesem Jahr den Betrieb eingestellt. Am 8.11., dem diesjährigen Buchsonntag, verabschiedet sich die vorletzte Bücherei unserer Pfarrei im Rahmen der Hl. Messe um 10.00 Uhr von ihrer Gemeinde. Die vorletzte? Genau. Jetzt haben wir nur noch eine, in Grumme. Wie viele mögen es einst gewesen sein, in einer Pfarrei, die aus 14 ehemaligen einzelnen Pfarrgemeinden besteht?
Vielleicht denken einige: So eine KÖB, die hat sich doch längst überlebt, kostet Geld, belegt Räume, findet kaum noch Mitarbeiter/innen noch weniger Leser/innen, veraltet letztlich. Sind
Pfarrbüchereien nicht kleine, leicht verstaubte Räume mit historischem Buchbestand, die sowieso mit keiner Stadtbücherei mithalten können? Das mag es durchaus geben, vor allem, wenn so eine Einrichtung den Anschluß an die heutige Zeit verpasst hat. Aber das gilt ja für alle kirchlichen Einrichtungen: Wenn sie sich nicht verändern, verschwinden sie. Verändern heißt: anpassen. Besser noch: gestalten. Vorausdenken statt hinterherhinken. Gelingt das nicht, kommt jedes Mal zuerst die Schließung und dann der Abbruchhammer. Vielleicht gibt es ja sogar irgendwo Leute, die sich freuen und das gut finden. Hauptsache, man kann sparen. Dabei muss wirklich nicht alles, was einen Wert hat, auch einen Preis haben.
Eine moderne KÖB muss längst nicht mehr, wie man einst meinte, den Menschen erziehen oder das „gute“ katholische Schrifttum – gab es das je? – verbreiten. Ihr Wert liegt neben Büchern und vielen anderen Medien darin, ein Treffpunkt zu sein, ein Informationsort, eine Anlaufstelle, eine Schnittstelle zwischen Kirche und Kindergärten und Schulen und vielleicht sogar ein Kunst- und Kulturort. (1) Wie das bei einer konkreten KÖB in einem konkreten Stadtteil gelingen kann, ist sehr unterschiedlich. An manchen Orten mag es auch nicht oder nicht mehr gehen.
Denen, die über viele Jahre hinweg den Betrieb der KÖB St. Meinolphus aufrechterhalten haben, auch in widrigen Zeiten, sollten wir am Buchsonntag sehr herzlich danken.
O. Deppe
(1) Initiative des Bistums Essen: KÖB als Kulturort. Pilotprojekt:
Außerdem geht der Trend weiterhin zum Zweitbuch. Immerhin ein Trost.


