„Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Mt 14,16)

„Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Mt 14,16)

Gedanken zum 18. Sonntag im Jahreskreis 2026

Liebe Leserinnen und Leser, im Evangelium des heutigen Sonntags dürfen wir erneut von der wundersamen Brotvermehrung hören. Mir ist dieses Mal besonders aufgefallen, dass bei den Wundern, die Jesus wirkt, nachher viel mehr da ist als vorher. Logisch, könnte man sagen. Das ist ja ein Merkmal von Wundern. Nach dem Wunder ist mehr da, mehr Fülle, mehr Heil und Heilung, mehr guter Wein und hier mehr satte Menschen und 12 Körbe Restbrote zur weiteren Verwendung für die Jünger. Aus fünf Broten und zwei Fischen macht Gottes Sohn so viel Essen, dass nicht nur alle satt werden, sondern auch eine Fülle übrig bleibt. Und es waren immerhin 5.000 Männer plus Frauen und Kinder.

Dass Jesus Wunder wirken kann, kommt durch seine göttliche Kraft. Zuvor bittet er auch ausdrücklich darum. Er blickte zum Himmel auf und sprach den Lobpreis. Wir erfahren auch, warum er immer wieder Wunder vollbringt. Jesus hatte Mitleid mit den vielen Menschen und heilte ihre Kranken. Im Blick auf die Massen, die ihm folgten, will er diese nicht wegschicken, sondern sie bei sich halten, ihnen die Botschaft verkünden, ihnen beistehen und mit ihnen sein. Daher auch die Ansage an die Jünger, die Leute nicht in die Dörfer zu schicken, sondern ihnen zu essen zu geben.

„Gebt ihr ihnen zu essen!“ – Die Jünger waren sicherlich verwundert über diese Aufforderung von Jesus in der Kenntnis, dass sie nur 5 Brote und zwei Fische beizutragen hatten. Dennoch geben sie Jesus die Gaben und er vermehrt sie in unglaubliche Fülle. Alle werden satt.

Diese Aufforderung Jesu gilt auch für unsere Zeit, gilt auch den Jüngerinnen und Jüngern von heute. Allen, die Jesus nachfolgen, egal ob hauptberuflich, ehrenamtlich oder im alltäglichen Leben, wird diese Aufforderung zugerufen: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Alle, die sich dazu berufen fühlen, sind beauftragt. Nehmen wir die Menschen in den Blick, die hungern und dürsten, die unser Mitgefühl und unsere Hilfe benötigen, die sich nach Zuwendung jeglicher Form sehnen. Und tun wir dies mit göttlicher Hilfe, indem wir zum Himmel blicken, den Lobpreis sprechen und uns Gottes wundersamem Beistand sicher sein können. Auch wenn wir selbst vielleicht keine Wunder wirken können, so können wir doch unseren Teil dazu geben, können wir zu essen geben.

Wie immer ist dies übertragen gemeint; es geht nicht nur um Essen, sondern um die umfassende Bedürftigkeit der Menschen, denen wir begegnen, und auch um unsere eigene Bedürftigkeit. So dürfen wir das Evangelium als einen Leitfaden Gottes verstehen, wie wir und die gesamte Kirche handeln sollen im Blick auf die Sorgen, Nöte, Ängste, Anliegen und Sehnsüchte der Mitmenschen. Jede und jeder kann dies nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten immer wieder versuchen und so gut es geht umsetzen. Auch wenn die Jünger die Aufforderung Jesu zunächst als Zumutung verstanden haben, so sahen sie doch anschließend welche göttliche Kraft gewirkt hat, welches Wunder geschehen ist.

Ich wünsche uns allen ebenfalls ein großes Zutrauen und Vertrauen unserem Gott gegenüber. Er wird auch uns bei dieser Aufgabe helfen und uns zur Seite stehen. Zunächst aber gilt: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ – Dann wird vielleicht sogar ein Wunder geschehen.

Dann reicht es plötzlich für alle, alle werden satt und es bleibt noch reichlich übrig.

Allen einen gesegneten Sonntag und eine erfüllte Zeit.

Ihr Pastor Christian Schulte