Impuls zu Mt 21,28-32: Die 2 Söhne
Ja, solche Menschen sind klasse: sie tun, was sie sagen. Sie halten sich an ihr Versprechen. Sie stimmen in sich überein, was ihre Worte und Taten betrifft. Wer mag das nicht: so jemand ist verläßlich und vermittelt Sicherheit in jeder Beziehung.
Die Kehrseite: es kann eng werden für mich, wenn ich einmal nicht halten kann, was ich versprach: ich werde festgetackert auf meine Worte, Diskrepanzen werden Auslöser für Distanzierung und ganz schnell entsteht ein fest betoniertes Bild von einer, die verspricht und nicht hält. Das Mißtrauen ist gesät, man weiß nicht so recht, wie man dran ist, man traut dem Gegenüber nicht mehr so wirklich über den Weg.
Ich vermute, Jesus geht es in diesem Gleichnis nicht darum, eine Lanze für die zu brechen, die ständig wie ein Fähnchen im Wind mal so, mal so reden und sich nie an das halten, was sie versprechen. Viele andere Äußerungen von ihm laden zu sehr klarer Haltung und Entschiedenheit im Reden und Tun ein.
Aber wie schön, dass ich in den Augen Gottes auch einmal schwankend und ambivalent sein darf: so reden und anders tun. Wie schön, dass Gott die menschliche Realität, in der genau dies vorkommt, anschaut! Wie entlastend, dass mein spontanes Ausweichen, Mich-Wegducken oder Aus-dem-Weg-Gehen mich nicht festnagelt. Denn wie schnell habe ich mir selbst oder anderen gegenüber ein innerlich oder äußerlich hörbares Urteil, eine Entscheidung getroffen: über mich, über einen anderen, über eine Anforderung, über eine Situation. Wie befreiend, dass ich es mir nach meinen Worten anders überlegen kann: ich ändere den Blickwinkel für jemanden, ich tue, was ich zunächst abgelehnt habe, ich lehne ab, was ich zugesagt habe – und dabei fällt mir kein Zacken aus der Krone. Und bei den Anderen kann es durchaus auch so geschehen.
Jesu Worte im heutigen Evangelium zeigen mir eine realistische, großzügige und warmherzige Sicht auf uns Menschen. Sein Wille, das jeweils Gute für mich und die Anderen zu erfassen und zu tun, bleibt beständig bestehen, auch wenn ich (oder die Anderen) schwanke und zunächst nicht tue oder lasse, was angesagt ist.
Möge er unser Herz weiten für Verständnis und Großzügigkeit mir selbst und Anderen gegenüber, wenn wir zu fix sind mit unseren Worten, Ansichten und Handlungen.
Auf dass fest betonierte Bilder voneinander aufweichen, Hoffnung wächst und Verbundenheit wächst.
Elisabeth Kämmerling
JVA Bochum

