Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. (Mt 22,1-14)

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. (Mt 22,1-14)

Gedanken zum 28. Sonntag im Jahreskreis 2026

Wenn Prominente heiraten, hat die Klatschpresse Hochsaison. Wochenlang wird gerätselt, wer eingeladen ist, wer das Brautkleid entworfen hat und wer neben wem sitzen darf. Und die Gäste freuen sich schon lange vorher auf diesen einen großen Tag: bestens ausgeleuchtet, mit dem strahlendsten Lächeln und in feinster Abendrobe über den roten Teppich zu schreiten und von allen Seiten fotografiert zu werden. Am nächsten Morgen dann das eigene Bild in der Zeitung, im Internet und in den Illustrierten beim Friseur. Wer da dabei sein darf, der gehört dazu.

Übertroffen wird das nur noch von einer Hochzeit im Königshaus. Die gibt es allerdings selten. Aber wenn, dann schaut die halbe Welt zu: die goldene Kutsche, die jubelnde Menge, der Kuss auf dem Balkon. Eine Einladung zu so einem Fest ist mehr als eine Einladung. Sie ist eine Auszeichnung.

Nun interessiert sich nicht jede und jeder für die Klatschpresse. Aber auch wer über Promihochzeiten nur müde lächelt, kann sich vielleicht vorstellen, wie es wäre, eine Einladung zum Empfang beim Bundespräsidenten im Briefkasten zu finden. Oder eine Einladung nach Stockholm zur Verleihung der Nobelpreise, wo die klügsten Köpfe der Welt geehrt werden. Es gibt Einladungen, die bedeuten höchste Ehre. Und die schlägt niemand aus. Da wird der Terminkalender freigeräumt, der gute Anzug in die Reinigung gebracht; und noch den Enkeln wird man davon erzählen.

Umso verstörender ist das Gleichnis, das Jesus erzählt. Ein König richtet seinem Sohn die Hochzeit aus. Er schickt seine Diener los, um die geladenen Gäste zu holen. Doch die wollen nicht kommen. Der eine geht auf seinen Acker, der andere in seinen Laden. Und die übrigen packen die Diener, quälen sie und bringen sie um. Da muss doch ein gewaltiges Missverständnis vorliegen! Wer fällt denn über den Boten her, der ihm eine Einladung zur Königshochzeit überbringt?

Vielleicht halten die Gäste die Einladung für eine Vorladung. Sie hören nicht: „Komm und feiere mit!“, sondern: „Erscheinen Sie pünktlich!“ Für sie ist das Fest kein Geschenk, sondern eine Pflicht, eine Last, eine lästige Unterbrechung ihres Alltags.

Vielleicht meinen die Gäste, sie hätten es nicht nötig. Sie haben ihren Acker, ihr Geschäft, ihre eigenen Regeln, ihr eigenes kleines Königreich. Was soll ihnen das Fest eines anderen bringen? Wer sich selbst genug ist, für den ist jede Einladung eine Zumutung.

Vielleicht trauen sie dem Gastgeber einfach nicht. Sie wittern hinter der Einladung einen Haken, eine Falle, eine versteckte Rechnung. Wer so misstrauisch ist, sieht im Boten keinen Freudenbringer, sondern einen Eindringling. Und wer den Boten für einen Feind hält, der schlägt zu.

Dabei dürfen wir nicht vergessen, wem Jesus dieses Gleichnis erzählt: den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes. Also ausgerechnet denen, die sich mit Gott bestens auskennen. Sie haben die Schriften studiert, die Gebote gelernt, die Opfer im Tempel dargebracht. Und gerade sie, die Fachleute für Religion, erkennen die Einladung nicht, als sie vor ihnen steht.

Das sollte uns zu denken geben. Auch wir, die wir die Gedanken zum Sonntag abonniert haben oder regelmäßig zum Gottesdienst gehen, sind vor diesem Missverständnis nicht gefeit. Dann nehmen wir die Einladung Gottes nicht wahr oder schlagen sie sogar aus, ohne es zu merken.

Dabei ist das Fest, zu dem Gott uns einlädt, größer als alles, was wir uns vorstellen können. Der Prophet Jesaja malt es in der ersten Lesung (Jes 25,6-10a) in leuchtenden Farben: Auf dem Berg bereitet Gott für alle Völker ein Festmahl mit den feinsten Speisen und den erlesensten Weinen. Es ist ein Fest des Genießens, bei dem keiner hungrig nach Hause geht. Es ist ein Fest des Lebens, denn Gott zerreißt die Hülle der Trauer, die über allen Völkern liegt, und verschlingt den Tod für immer. Und es ist ein Fest der endgültigen Rettung, denn Gott selbst wischt die Tränen ab von jedem Gesicht. Da kann kein roter Teppich mithalten, kein Blitzlichtgewitter und keine goldene Kutsche. Bei diesem Fest braucht es auch keine Scheinwerfer, denn Gott selbst lässt sein Angesicht über uns leuchten.

Wenn wir uns also heute oder in den nächsten Tagen begegnen, vor der Kirchentür, auf der Straße oder beim Bäcker, dann dürfen wir uns in Vorfreude zunicken. Denn wir wissen etwas, das in keiner Zeitung steht: Wir haben die Einladung zum größten Fest bekommen. Wir werden es nicht verpassen.

In froher Vorfreude auf dieses Fest wünsche ich Ihnen und allen, die Ihnen am Herzen liegen, einen gesegneten Sonntag.

Ihr Winfried Rottenecker, Diakon