Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,16-20)
Gedanken zum Dreifaltigkeitssonntag
Liebe Leserin, lieber Leser,
letzte Woche, in den „Gedanken zu Pfingsten“ schrieb Sophie Kölsch von ihren Erlebnissen bei den Pfingstzeltlagern der Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Anschaulich und mit heiterem Augenzwinkern berichtete sie von kläglichem Scheitern, aber auch davon, dass sie „mindestens genauso viel Spaß gehabt“ habe. Vermutlich sind auch bei Ihnen Erinnerungen an gemeinsame Reisen und Freizeiten aus Ihrer Jugend ins Gedächtnis gekommen. Vielleicht hatten Sie auch einen Gerüchemix aus Lagerfeuer, regennasser Kleidung, Erbsensuppe und frischer Sommerluft an lauen Abenden in der Nase und Bilder von lachenden und tobenden Kindern und Jugendlichen vor Augen. Möglicherweise waren Sie über Pfingsten selbst in einem Kurzurlaub mit Ihren Liebsten unterwegs und haben die gemeinsame Zeit genossen.
Uns allen galt der Wunsch von Sophie Kölsch: „Ich bin sicher, dass die Geistkraft auch in Ihrem Leben wirkt und so manche ungeahnte Überraschung aus der ‚Wundertüte Leben’ ziehen wird.“ Sicher haben auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser mit Freude diesen pfingstlich begeisterten Text letzte Woche gelesen. Einen herzlichen Dank an die Autorin!
Was ist eine Woche später von der pfingstlichen Begeisterung geblieben? Die meisten von uns waren nicht auf einem Pfingstlager, hatten keinen gemeinsamen Urlaub und haben möglicherweise den Pfingstmontag nutzen müssen, um liegen gebliebene Arbeiten zu erledigen. Die Routine des Alltags hat uns wieder im Griff oder hat uns nie losgelassen. Um uns herum ist kein fröhliches Kinderlachen, sondern eher schweigsame Einsamkeit. Jetzt, eine Woche nach Pfingsten macht sich eine gewisse Ernüchterung breit. Fühlen wir uns jetzt allein oder gar im Stich gelassen? Wo ist jetzt die Begeisterung? Wo ist jetzt der Heilige Geist?
Das führt zu der Frage, worin der Heilige Geist besteht und wann wir seine Gegenwart spüren. Ist er nur in den fröhlichen und überraschenden Wendungen der „Wundertüte Leben“ gegenwärtig? Sicher ist er genau dann zu spüren, aber nicht nur dann! Ist er nur im fröhlichen Kinderlachen, in den heiteren und unbeschwerten Stunden des Beisammenseins gegenwärtig? Sicher ist er genau dann zu spüren, aber nicht nur dann! Ist er nur im Gerüchemix aus Lagerfeuer, regennasser Kleidung, Erbsensuppe und frischer Sommerluft an lauen Abenden gegenwärtig? Sicher ist er genau dann zu spüren, aber nicht nur dann!
Im heutigen Evangelium zum Dreifaltigkeitssonntag schenkt Jesus uns eine Zusage, die besonders in die Momente gesprochen ist, die nicht unbeschwert, heiter, fröhlich sind: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Diese Zusage gilt vor allem in den Momenten, in denen der Alltag uns zermürbt, wenn wir Feiertage zum Arbeiten nutzen müssen und doch nicht fertig werden, wenn wir nur die Stille der Einsamkeit hören und das fröhliche Lachen besonders vermissen. Gerade die Momente, in denen wir uns allein, im Stich gelassen fühlen, werden zu Momenten, in denen wir den Geist der Gegenwart Gottes spüren können.
Am heutigen Dreifaltigkeitssonntag werden wir an das Kreuzzeichen erinnert, an das Bekenntnis „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Gerade wir katholischen Christinnen und Christen zeichnen mit den Fingern ein großes Kreuz dazu, vom Kopf zum Bauch und von der linken Schulter zur rechten Schulter. Jedes Gebet beginnt und endet mit dem Kreuzzeichen, viele von uns beginnen und beenden jeden Tag mit diesem kurzen Gebet. Wenn wir eine Kirche betreten und verlassen, nehmen wir ein wenig Weihwasser und bekreuzigen uns. Mache machen ein Kreuzzeichen auf den Laib Brot, bevor sie ihn anschneiden, andere bekreuzigen sich bei Gewitter oder wenn sie sich vor jeglicher Gefahr fürchten. Jedesmal, wenn wir dieses Bekenntnis sprechen oder denken: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ werden wir an die Zusage Jesu erinnert: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
Heute, eine Woche nach Pfingsten, wünsche ich Ihnen, dass Sie in allen Momenten Ihres Lebens den Heiligen Geist spüren, in den fröhlichen Wendungen der „Wundertüte Leben“, aber auch in den beschwerlichen und einsamen Stunden.
Ihnen und allen, die Ihnen am Herzen liegen, wünsche ich einen gesegneten Dreifaltigkeitssonntag.
Ihr Winfried Rottenecker, Diakon
