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Gedanken zum dritten Fastensonntag

Liebe Geschwister!

Gott sprach zu Mose: Ich bin, der ich bin. Das ist mein Name für immer.
Gott sagt dem Mose: Ich bin ein Gott, der ist, der da ist und das für immer.

An dieser Stelle bin ich gefragt, ist jede und jeder von uns gefragt:
Glaube ich das, dass Gott da ist?
Kann ich Gottes Nähe heute wahrnehmen, wo sooooooooooooooooooo viele Menschen unter Gefahr, Gewalt, Not, Hunger, Krankheit, Leid und Desinformation leiden?

Wir sind nicht die Ersten, die auch in solch schweren Zeiten Gottes Spuren entdecken können und entdecken.
Der Apostel Paulus spricht von Menschheitserfahrungen, wenn er feststellt:
Seit Erschaffung der Welt wird nämlich seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen.

Auch wenn es mir im Moment schwerfällt, Gottes Da-Sein zu spüren, so bin ich doch zutiefst dankbar für zwei Gebete (angelehnt an Psalm 140 und Psalm 85), die Johannes Broxtermann geschrieben hat und die zum Beten einladen …

Lucia van den Boom

Psalm in Kriegsgefahr

Gott,
wir sind fassungslos… Getrieben wurden wir durch alle Plagen –
die Pandemie seit Jahren, die wild gewordene Natur: das Hochwasser.
Das Elend der Kirche, und jetzt der Krieg –
Was noch, Herr

Wir sind fassungslos.
Wir haben die Fassung verloren. Der Rahmen ist zerbrochen-
der Rahmen des: „Lasst uns miteinander reden“.
Der Rahmen des:
„Benehmen wir uns
wie vernünftige Menschen…“ Wir sind aufgewacht
in einer anderen Welt
und stehen wieder
vor Dir
an der Klagemauer.

Es sind nicht wir,
auf die die Bomben fallen. Wir sind in Deckung.
Es sind die Menschen
der Ukraine.
Es ist ein Bruderkrieg
von Brudervölkern.
Der große Bruder
kennt nicht mehr
die Brüderlichkeit
und will alles für sich. Kain und Abel
stehen wieder auf –
Kain schwingt die Keule. Die alte Mordgeschichte wiederholt sich immer, wiederholt sich jetzt, steckt zu tief
in uns Menschen drin.

Gott,
was ist los mit deiner Welt?
Die Tyrannen
kehren zurück:
Sie verachten das Recht,
und Wahrheit gilt ihnen nichts. Schamlos lügen sie
mit unbewegter Miene
vor der ganzen Welt…
Ihre Zungen sind wie Schlangen, und Gift tragen sie
hinter den Lippen.
Düstere Pläne denken sie aus. Fußangeln, Fallstricke, Fallgruben ersinnen sie 

Netze, in denen
sich alle verfangen.
Schütze uns
vor dem Mann der Gewalt,
vor denen,
die den Frieden zerstören
und Streit und Krieg schüren
von langer Hand.
Lass glühende Kohlen
regnen über sie,
stürze sie in den Abgrund,
lass sie nicht siegen.
Der Tyrann der Lüge und Gewalt hat keine Dauer auf Erden,
er verheddert sich in den Netzen, die er selber legt.
Aber du schaffst Gerechtigkeit den Armen und Unterdrückten.

(frei nach Psalm 140)

Gott,
waffenstarrend kommt immer noch
der Riese Goliath daher. Er kann vor Kraft
kaum gehen,
der prahlende Gigant mit seinen
Panzern und Bomben. Schick ihm

– wie damals in der Bibel – einen David, oder
viele Davids, die
den Goliath zu Fall bringen, obwohl sie so klein sind. Vielleicht gewaltlos,

ganz ohne Waffen.
Aber ausgestattet mit Mut, frei, mit Phantasie, mit Geist, mit Liebe zur Wahrheit
und Gerechtigkeit. Unterstützt von ganz vielen in der weiten Welt. Unterstützt
von den Glaubenden,
von ihren Gebeten
und ihrer Solidarität.
Und immer
getragen von Dir,
dem Gott des Friedens.

Gott,
richte alle auf, vor allem
das ukrainische Volk,
aber auch uns
in unseren Ängsten.
Steh bei
dem russischen Volk,
das von seinem Herrscher
in den Krieg gezwungen wird. Stärke alle Opfer
und alle, die jetzt leiden müssen: die, die um Tote trauern,
die, die unter Beschuss sind, die, die fliehen und
nicht wissen, wohin…
Auch die,
die die Hoffnung verlieren
und zynisch werden
über den Stand dieser Welt.

Gott,
festhalten möchte ich
an dieser Vision
aus den Psalmen:
Deine Worte wecken den Frieden, ruf uns aufs Neue zum Leben. Wende unsere trägen Herzen,
gib uns Sehnsucht
nach wirklichem Frieden.
Lass so die Welt werden: wie
eine Umarmung, ein Kuss
von Recht und Erbarmen.
Friede wie eine Saat in der Erde, Gerechtigkeit
wie die Sonne am Himmel.
In so einem Land willst du sein.

(frei nach Psalm 85)

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