Und sie sahen Jesus in strahlendem Licht. (Lk 9,28b-36) |
Liebe Leserin, lieber Leser, Sie können nachher nicht sagen, Sie hätten es nicht schon vorher gewusst. Keine Christin, kein Christ kann sagen, sie oder er hätte es nicht schon vorher gewusst, es nicht kommen sehen, hätte nicht zumindest eine Ahnung davon gehabt, was kommen wird, worauf es hinauslaufen, wie es am Ende ausgehen wird. Wir Christinnen und Christen haben eine Gewissheit geschenkt bekommen, die unumstößlich ist. Es handelt sich dabei nicht um ein Wissen wie das Wissen, welches Datum heute ist oder welche Autobahnausfahrt wir als nächstes nehmen müssen. Es handelt sich nicht um ein Wissen, das wir auswendig lernen mussten, das uns irgendwann eingetrichtert wurde oder das wir irgendwo nachschlagen oder googeln können. Und es ist keineswegs so, dass wir an dieser Gewissheit nicht hin und wieder zweifeln, machmal vielleicht sogar schier verzweifeln. Und doch ist es eine Gewissheit, die unumstößlich ist. Heute, am zweiten Sonntag der Bereitungszeit hören wir das Evangelium von der sogenannten „Verklärung“. Einige Jünger sehen Jesus schon jetzt in der Herrlichkeit, in der er am Ende der Zeiten wiederkommen wird. Sie sind geblendet von der Herrlichkeit Jesu und sie begreifen nicht, was sie da sehen. Jesus verbietet ihnen, mit anderen darüber zu reden, weil sie es nicht verstehen können. Erst nachdem sie den Tod Jesu am Kreuz miterlebt haben und von der Auferstehung hören, erkennen sie, was sie in diesem Moment gesehen haben. Sie haben, als sie Jesus auf dem Berg in dem strahlenden Licht gesehen haben, eine Ahnung davon bekommen, dass Jesus der neue, ewige König ist, der Retter und Erlöser aller Menschen. Sie haben eine Vorausdeutung gesehen, dass Jesus alles Böse durch das Gute besiegt, dass durch ihn die Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes stärker sind als alles Böse, dass durch ihn das Leben stärker ist als der Tod. Seitdem haben alle Christinnen und Christen die unumstößliche Gewissheit, dass Jesus für jede und jeden von uns am Kreuz gestorben ist, um jede und jeden von uns zu retten. Vermutlich stehen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, – der Autor dieser Zeilen übrigens auch – ähnlich verwirrt vor dieser Verklärung wie die Jünger damals. Zu fremd ist das, was wir erleben und sehen, zu wenig passt es in die alltäglichen Erfahrungen, zu unwahrscheinlich ist es im Horizont unseres Alltags. Die Erfahrung unserer Zeit sagt nämlich das Gegenteil. Wir werden immer mehr als „seltsam“ angesehen, wenn wir auf Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe setzen wollen. Wir werden immer mehr als „bescheuert“ bezeichnet, wenn wir Friedfertigkeit und Versöhnung an den Tag legen wollen. Wir werden immer mehr der „hoffnungslosen Naivität“ bezichtigt, wenn wir auf Hoffnung und das Leben setzen, wo doch jeder sehen kann, dass alles „den Bach runtergeht“ und kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Und doch werden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, am Ende nicht sagen können, sie hätten es nicht vorher schon gewusst, wie es ausgehen wird. Auch dieses Jahr sind wir eingeladen, den Weg der Bereitungszeit auf Ostern hin gemeinsam zu gehen. Wir dürfen uns die Geschichte Jesu vor Augen führen lassen, die in den katastrophalen Untergang und in die Gottverlassenheit im Tod am Kreuz führt. Wir dürfen uns den endgültigen Sieg Jesu in der Auferstehung von den Toten verkünden lassen. Wir dürfen uns die unumstößliche Gewissheit wieder neu zusprechen lassen, dass Menschenfreundlichkeit und Nächstenliebe stärker sind als Hass und Gewalt, dass Friedfertigkeit und Vergebung stärker sind als Terror und Unterdrückung, dass das Leben stärker ist als der Tod. Wir dürfen uns zusprechen lassen, dass die Frohe Botschaft Jesu wahr ist, obwohl sie zu jeder Zeit seltsam, „bescheuert“ und „hoffnungslos naiv“ klang. Wir dürfen den Sonntag der „Verklärung“ erleben als einen Vorgeschmack davon, wie es am Ende der Zeiten sein wird, wenn Jesus in Herrlichkeit wiederkommt und am Ende alles gut wird. Und so können Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sagen, dass sie schon jetzt wissen, wie es am Ende ausgehen wird. Ihnen und allen, die Ihnen am Herzen liegen, wünsche ich eine gute Bereitungszeit auf Ostern hin, einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche. Ihr Winfried Rottenecker, Diakon |